Gemüse und Kräuter selbst anbauen – so funktioniert die Anzucht

Wie glückt die Anzucht aus Pflanzensamen im eigenen Garten?

Wer sicher sein will, dass Gemüse und Kräuter garantiert ökologisch und ohne den Einsatz von Chemie gewachsen sind, sollte seine Pflanzen selbst ziehen. Die Anzucht ist kinderleicht, wenn man die erforderlichen Schritte kennt.

Kräuter- und Pflanzenanzucht selbst gemacht

Wer träumt nicht davon, Kräuter, Obst und Gemüse aus eigenem Anbau zu ernten und frisch zu verarbeiten. Das schmeckt nicht nur besser: Gleichzeitig ist es ein tolles Hobby, sich liebevoll um die Pflanzen zu kümmern, zu sehen wie sie wachsen und gedeihen, bis man schliesslich mit einer schmackhaften Ernte belohnt wird. Während Obstbäume eher langsam wachsen und einige Jahre bis zur ersten Ernte vergehen können, lassen sich Gemüse und Kräuter meistens ganz unkompliziert im Balkonkasten oder im Garten anbauen. Schon nach kurzer Zeit sehen Sie erste Ergebnisse Ihrer Mühen, und nach einigen Wochen oder Monaten können Sie bereits die frischen Zutaten in Ihrer Küche verwenden.

Alles fängt mit den passenden Anzuchtgefässen, der richtigen Erde und natürlich dem entsprechenden Saatgut an. Sie haben einen grossen Vorteil, wenn Sie Samen für die Anzucht verwenden: Die Auswahl der Kräuter- und Gemüsesorten ist riesig.

Im Gegensatz dazu steht oft nur eine begrenzte Anzahl der gängigsten Kräuter- und Gemüsesorten zur Verfügung, wenn Sie bereits vorgezogene Jungpflanzen kaufen wollen. Gleichzeitig können Sie sich nie ganz sicher sein, unter welchen Bedingungen diese Pflanzen herangezogen wurden und ob bei ihrer Anzucht chemische Mittel zum Einsatz gekommen sind, die Sie lieber nicht auf Ihrem Gemüse oder Ihren Kräutern haben wollen.

Vom Samen zur Pflanze – so einfach geht es

Die Anzucht von Samen ist kein Hexenwerk. Mit der richtigen Ausstattung und Anleitung gelingt sie jedem. Selbst, wenn Sie nicht gerade einen grünen Daumen haben, werden aus den Samen nach wenigen Tagen zarte Triebe spriessen. Entscheidend für eine reiche Ernte ist allerdings, dass Sie die optimalen Rahmenbedingungen für Wachstum und Blüte der Pflanze schaffen. Beide Faktoren sind entscheidend dafür, wie viele Triebe und Früchte die Pflanze später entwickelt.

Der erste wichtige Punkt dafür ist der Zeitpunkt für die Aussaat. Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass die Pflanzen bereits gross genug sein sollten, wenn die Eisheiligen überwunden sind und die warmen Frühlingsmonate beginnen. Dann ist der richtige Moment, um sie vom Gewächshaus oder der Fensterbank ins Freie zu pflanzen. Dort können sie dann unter dem Einfluss der milden Witterung und der warmen Sonnenstrahlen kräftig heranwachsen und werden bald zahlreiche Blüten und Früchte tragen. Bei den meisten Pflanzen können Sie spätestens im März mit der Anzucht beginnen.

Samen setzen

Wenn Sie entschieden haben, welche Samen Sie heranziehen wollen, müssen Sie die passenden Anzuchtgefässe besorgen. Es gibt spezielle Töpfe und Schalen aus organischen Materialien wie Kokosfasern. Sie haben den Vorteil, dass Sie direkt mit den Setzlingen eingepflanzt werden können. Im Notfall tun es allerdings auch alte Eierkartons oder Obstschalen. Diese Gefässe befüllen Sie mit einer speziellen Anzuchterde, die den Samen die nötigen Nährstoffe in der richtigen Menge liefert und mit einer guten Belüftung und Feuchtigkeitsspeicherung optimale Bedingungen bietet.

Befüllen Sie die Gefässe etwa zu zwei Dritteln mit Erde, auf die Sie anschliessend die Samen legen. Pro Topf sollte möglichst nur ein Same gelegt werden (vor allem bei Gemüse): So hat das Pflänzchen später genug Platz und Nährstoffe, um sich optimal zu entwickeln. Ausserdem sparen Sie sich hinterher das mitunter zeitaufwändige Pikieren der Jungpflanzen. Bei grossen Samen, die sich mit der Hand anfassen lassen, ist das auch gut möglich. Bei sehr kleinen Samen ist eine Menge von 3 bis 5 pro Anzuchttopf empfehlenswert. Anschliessend bedecken Sie die Samen locker mit Erde und giessen sie minimal, sodass sie gut durchfeuchtet, aber nicht nass ist.

Optimale Bedingungen schaffen

Licht und Wärme sind entscheidend für das Wachstum der Pflanzen. Wenn Sie zum Beispiel Kräuter im Haus heranziehen wollen, ist eine helle Fensterbank ein günstiger Ort. Die Idealtemperatur für die Anzucht ist von Pflanze zu Pflanze oft sehr unterschiedlich:

  • Keimtemperatur 12 bis 16 °C: Hierbei keimen Puffbohnen, Erbsen, Möhren, Salat, Pastinaken, Rettich, Radieschen und Spinat besonders gut. Nach der Keimung gedeihen die Jungpflanzen bei 10 bis 20 °C ideal weiter.
  • Keimtemperatur 16 bis 20 °C: Blumenkohl, Chicorée, Wirsing, Sellerie, Zwiebeln, Brokkoli, Kohlrabi, Knollenfenchel, Porree, Rote Bete, Petersilie, Schnittlauch und Mangold mögen eine mittlere Temperatur zum Keimen. Die Jungpflanzen wachsen anschliessend bei ähnlichen Temperaturen weiter.
  • Keimtemperatur 22 bis 26 °C: Hier keimen Auberginen, Gurken, Melonen, Kürbis, Zucchini, Stangenbohnen, Paprika, Zuckermais und Tomaten besonders gut. Die Weiterkultur der Jungpflanzen ist dann aber bei gemässigten 18 bis 20 °C zu bevorzugen.

Die Samen dürfen bei der Anzucht nicht austrocknen, gleichzeitig können sie bei Staunässe verfaulen. Optimal ist es, wenn Sie die Erde regelmässig mit einer Sprühflasche befeuchten und die Töpfchen mit einem licht- und luftdurchlässigen Deckel oder einer Folie abdecken. So verhindern Sie, dass die Erde zu schnell austrocknet, und ermöglichen gleichzeitig, dass die Keimlinge ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden.

Pikieren der Jungpflanzen

Sind die kleinen Pflänzchen bereits einige Zentimeter gross gewachsen, ist es an der Zeit, den Wurzeln mehr Platz zu geben. Dafür müssen Sie die Pflanzen aus Ihren Gefässen nehmen, die Erde vorsichtig abschütteln und sie voneinander trennen. Diesen Schritt nennt man Pikieren. Anschliessend kommen sie in einzelne, grössere Gefässe oder werden mit ausreichend Abstand in einem Balkonkasten gepflanzt. Wie viel Platz jede Pflanze bzw. ihr Wurzelwerk braucht, kann sehr unterschiedlich sein und hängt von der jeweiligen Art ab. Auf den Samentütchen finden Sie dazu jeweils entsprechende Hinweise.

Das Pikieren ist nötig, um die ausreichende Versorgung mit Wasser und Nährstoffen zu gewährleisten. Nur dann können die Pflanzen so stark wachsen, dass sie im Freien überleben und später zahlreiche Blätter und Früchte tragen. Beim Pikieren die Pflanzen so tief setzen, dass die ersten Blättchen wenige Millimeter über der Erde sind.

Umpflanzen in Beete oder Balkonkästen

In den Gefässen lassen Sie die Pflanzen weiterhin im Haus oder Gewächshaus gedeihen. An wärmeren Frühlingstagen können Sie die Gefässe auch tagsüber schon nach draussen stellen, um die Pflänzchen «abzuhärten». Nachts gehört der Pflanzennachwuchs jedoch zurück ins Haus. Sobald die Zöglinge stark genug sind und die Frostzeiten draussen überstanden sind, geht es ein letztes Mal ans Umpflanzen. Die Pflanzen ziehen jetzt in Balkonkästen oder Gemüsebeete, wo sie bis zur Ernte weiter heranwachsen.

Überlegen Sie sich vorher, welche Pflanzen und Kräuter zusammenpassen, also in direkter Nachbarschaft zueinander gepflanzt werden können, und welche lieber separate Gefässe oder Beete bekommen sollten. Nicht alle Pflanzen haben die gleichen Ansprüche an den Standort, und manche können anderen im schlimmsten Fall wichtige Nährstoffe entziehen, sodass diese trotz perfekter Anzucht verkümmern.

Wenn Sie sich darüber schon im Voraus Gedanken machen, werden Ihre Bemühungen mit einer üppigen Gemüse- und Kräuterauswahl belohnt. Kräuter und Gemüse können auch in Töpfen und Kästen mit Zierblumen kombiniert werden. So kann auf engem Raum beides zur Geltung kommen, wobei hier die Ansprüche an Licht, Nährstoff und Wasser ähnlich sein sollten.

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