Baumschnitt für kraftvolles Wachstum

Wie du Bäume und Sträucher richtig schneidest

Der Baumschnitt ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Obstbäume viele Früchte tragen und Sträucher über Jahre gesund und kräftig wachsen. Der richtige Zeitpunkt, Bäume und Sträucher zu schneiden, ist dabei ebenso entscheidend wie die korrekte Schnitttechnik. In diesem Artikel findest du eine übersichtliche Anleitung für den Baumschnitt sowie hilfreiche Tipps zu unterschiedlichen Schnittarten und zum Wundverschluss.

Inhalt

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Bäume und Sträucher zu schneiden?

Wann die beste Zeit für den Baumschnitt gekommen ist, hängt von der Art des Baums oder Strauchs, aber auch von seinem Wachstum ab. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass meist im Spätwinter (Februar/März) oder im Sommer (Juni/Juli) geschnitten wird.

Im Spätwinter ist es einfacher, beim Baumschnitt das gesamte Astwerk zu überblicken: Die Blätter und Blüten fehlen und geben den Blick frei. So kannst du genau erkennen, welche Triebe krank oder tot sind und welche das Wachstum des Baums oder Strauchs möglicherweise behindern. Der reguläre Baumschnitt ist daher gerade für Anfänger zu dieser Zeit zu empfehlen; er fördert das Wachstum und die Ausbildung neuer Triebe.

Der Baumschnitt im Sommer ist hingegen dazu gedacht, ungewünschtes Wachstum einzudämmen oder die Form des Baums oder Strauchs zu perfektionieren. Wer viel Wert auf die ästhetische Gartengestaltung legt, schneidet daher häufig sogar zweimal im Jahr – im Spätwinter und im Sommer.

Davon abgesehen trägt der Baumschnitt auch dazu bei, Pilzerkrankungen vorzubeugen und die Widerstandsfähigkeit von Bäumen und Sträuchern zu erhöhen. Tipp: Achte darauf, dich selbst mit dem passenden Kopf- und Gehörschutz auszustatten.

Bäume richtig schneiden: so tragen deine Obstbäume Früchte

Wenn Obstbäume nicht viele Früchte tragen, hat das meist einen von zwei Gründen: Entweder dringt zu wenig Licht ins Innere der Baumkrone, sodass sich dort weniger Blüten bilden; oder der Baum hat zu viele Triebe, die keine Früchte mehr tragen können, sodass neue Triebe keinen Platz haben. Der richtige Obstbaumschnitt hat daher das Ziel, jungen Trieben möglichst viel Raum zu geben und gleichzeitig die Krone auszulichten. Es gibt ausserdem verschiedene Arten des Baumschnitts, die unterschiedlichen Zwecken dienen:

  1. Schnitt direkt nach dem Pflanzen: Der Baumschnitt nach dem Pflanzen ermöglicht es dem wachsenden Baum, sein noch kleines Wurzelwerk stärker auszubilden, obwohl gleichzeitig die Krone austreibt. Bei diesem Schnitt wählst du idealerweise einen klaren Haupttrieb aus und schneidest andere Äste, die ebenfalls stark nach oben ragen, weg. So vermeidest du eine zweigeteilte Krone.
  2. Erziehungsschnitt (bis 10 Jahre): Beim sogenannten Erziehungsschnitt geht es darum, den Baum so zu schneiden, dass er später die gewünschte Form annimmt. Neben dem Haupttrieb werden jetzt auch mehrere Leitäste festgelegt. Diese dürfen gekürzt werden, ihre Seitentriebe sollten aber möglichst bestehenbleiben.
  3. Erhaltungsschnitt (ab 10 Jahren): Der Erhaltungsschnitt dient dazu, die Baumkrone auszulichten, sodass viele Früchte wachsen können. Äste, die steil nach oben oder ins Bauminnere wachsen, werden entfernt. Ausserdem schneidest du alte, kranke und tote Äste weg, die keine Früchte mehr tragen können.

Eine pauschale Anleitung, um Obstbäume richtig zu schneiden, gibt es nicht. Die folgenden Abschnitte zeigen dir jedoch, wie der Baumschnitt sich bei typischen Obstbäumen unterscheidet. Eine Faustregel für den richtigen Zeitpunkt, Bäume und Sträucher zu schneiden, lautet: Je stärker ein Baum oder Strauch wächst, desto später im Jahr wird er geschnitten. Wichtig ist ausserdem, dass du das geeignete Werkzeug für den Baumschnitt verwendest, damit der Baum nicht unnötig verletzt wird.

Apfelbäume beschneiden – eine Anleitung

Bei Apfelbäumen findet der typische Obstbaumschnitt im Frühjahr (März) statt. Indem du deine Apfelbäume beschneidest, stellst du sicher, dass genug Licht ins Innere der Baumkrone dringt. Ausserdem kann der Baum seine gesamte Kraft nutzen, um neue Triebe auszubilden, statt kranke oder erfrorene Äste weiterhin zu versorgen. Gerade wenn du als Anfänger deinen Apfelbaum richtig schneiden möchtest, hast du in dieser blatt- und blütenfreien Zeit den besseren Überblick.

Einen weiteren Obstbaumschnitt kannst du im Sommer vornehmen, wenn der Baum stark gewachsen ist – notwendig ist dieser aber nur bei Bedarf. Ein Vorteil: Im Sommer erfolgt der Wundverschluss nach dem Baumschnitt meist schneller. Jedoch brauchst du schon ein genaues Auge, um inmitten der Blätterpracht zu sehen, welche Äste geschnitten werden sollten. Kranke oder tote Äste kannst du grundsätzlich auch im Sommer entfernen, ebenso solche, die ins Bauminnere hineinwachsen.

So gelingt der Baumschnitt der Kirsche

Der richtige Zeitpunkt für den Baumschnitt einer Kirsche liegt im Sommer, etwa zwischen Juni und Juli. Dieser Baumverschnitt bremst nicht nur übermässiges Wachstum, sondern erhöht auch die Fruchtbarkeit des Obstbaums.

Am besten nimmst du den Obstbaumschnitt im Sommer direkt nach der Ernte vor. Insbesondere die Süsskirsche braucht viel Licht im Inneren der Baumkrone, sodass hier auch kräftige Äste ordentlich beschnitten werden dürfen. Junge Zweige solltest du nach Möglichkeit erhalten, stark verzweigte eher zurückschneiden. Auch die wahrscheinlich beliebteste Sauerkirsche, die Schattenmorelle, wird direkt nach der Ernte geschnitten. Kürze hier vor allem abgeerntete Zweige ein, um die Bildung neuer Triebe zu unterstützen.

Wenn der Baum nur mit Mühe wächst und wenige Früchte trägt, kannst du bei der Kirsche einen Baumschnitt auch zusätzlich im Spätwinter vornehmen. Entferne dann aber nur kleinere Äste, damit die Wundheilung nicht zur Belastung für den Kirschbaum wird.

Professioneller Baumschnitt beim Pfirsich

Der Pfirsich ist schwieriger zu beschneiden als einheimische Obstbäume – hier ist der richtige Baumschnitt besonders wichtig. Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, «wahre» von «falschen» Fruchttrieben zu unterscheiden. Die falschen Fruchttriebe haben zwar zahlreiche Blüten, jedoch nur wenige Blätter, meist nur an der Spitze des Triebs. Somit können sie zur Nährstoffversorgung des Baums kaum beitragen – sie sollten daher stark zurückgeschnitten (aber nicht ganz entfernt) werden. Wahre Fruchttriebe erkennst du hingegen daran, dass Blüten- und Blätterknospen nah beieinander und gleichmässig verteilt liegen.

Wichtig beim Baumschnitt des Pfirsichs: Dieser Baum bildet Früchte ausschliesslich an einjährigen Trieben – das sind also Triebe, die im Vorjahr Früchte getragen haben. Ab dem dritten Jahr bildet ein Trieb gar keine Blüten und somit auch keine Früchte mehr und sollte daher konsequent entfernt werden.

Beim Pfirsich sollte der Obstbaumschnitt im Winter stattfinden, und zwar noch vor der Blüte, also etwa im Februar. Alternativ kannst du den Baum auch nach der Ernte beschneiden. Beim Pfirsich darf der Baumschnitt recht radikal ausfallen: Entferne etwa drei Viertel der Triebe, die im Vorjahr Früchte getragen haben. Die übrigen werden eingekürzt, sodass nach dem Baumschnitt jede Menge Licht in die Krone fallen kann.

Büsche richtig schneiden

Anders als bei Bäumen ist es häufig gar nicht notwendig, Sträucher und Büsche zu schneiden. Sie vergreisen deutlich langsamer und bewahren ihre Fruchtbarkeit oft ohne menschliche Hilfe. Wenn es darum geht, Sträucher richtig zu schneiden, steht daher meist die Form im Vordergrund oder der Strauchschnitt zielt darauf ab, ungestümes Wachstum zu bremsen. Das gilt auch, wenn du deine Hecken richtig schneiden möchtest.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Schneeball. Dieser wächst üppig ganz ohne Schnitt. Dennoch ist es sinnvoll, den Schneeball zu schneiden, damit er seine ästhetische Form behält und den Garten nicht vollends für sich einnimmt. Wie immer beim Strauchschnitt gilt auch hier: Entferne kranke und tote Äste sowie erfrorene Triebe, beim Schneeball am besten in Bodennähe. Der ideale Zeitpunkt, diesen Strauch zu schneiden, liegt im März. Perfektionisten stellen die Form nach der Blüte im Juni mit einem zweiten Schnitt noch genauer wieder her. Auf ganz ähnliche Weise kannst du auch den Perückenstrauch schneiden, dessen Triebe du 1–2-mal im Jahr um etwa ein Drittel kürzt, wenn du ihn zu blickdichtem Wachstum anregen möchtest.

Auch immergrüne Sträucher zu schneiden, ist meist nicht notwendig. Hier kann der Strauchschnitt bei Bedarf erfolgen: Im Februar oder März werden tote und erfrorene Äste entfernt, im Juni und Juli dann noch einmal einzelne Triebe aus ästhetischen Gründen zurechtgeschnitten. Um immergrüne Sträucher richtig zu schneiden, ist es wichtig, zwischen schnittverträglichen und schnittempfindlichen Sträuchern zu unterscheiden – informiere dich vorab, bevor du einen radikalen Strauchschnitt vornimmst.

Wundverschluss nach dem Baumschnitt – ja oder nein?

Vor einigen Jahren noch war es selbstverständlich, dass Wunden nach dem Baumschnitt geschlossen wurden. Der Wundverschluss zielte darauf ab, das Eindringen von Krankheitserregern zu verhindern. Mittlerweile sind Gärtner sich uneinig, denn offenbar verfügen Bäume und Sträucher über erstaunliche Selbstheilungskräfte. Der allgemeine Konsens lautet inzwischen, nur sehr grosse Wunden (ab 3–4 cm) zu versorgen – oder solche, die zum falschen Zeitpunkt oder mit unsachgemässer Schnitttechnik zugefügt wurden. Als Mittel für den Wundverschluss nach dem Baumschnitt kommen Produkte aus dem Handel, aber auch Hausmittel wie Lehmpackungen, Holzkohlepulver oder Baumteer infrage.

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