Pflanzen überwintern

Mit den richtigen Hilfsmitteln kein Problem

Viele unserer Garten- und Balkonpflanzen kommen ursprünglich aus wärmeren Regionen. Die meiste Zeit des Jahres spielt das keine Rolle. Beginnen die Temperaturen zu sinken, müssen nicht winterharte Pflanzen jedoch geschützt werden. Welche Hilfsmittel Ihnen dabei helfen, Pflanzen zu überwintern, und welcher Winterschutz sich für welche Pflanze eignet, erfahren Sie hier.

Die Ansprüche kennen: Der erste Schritt zur sicheren Überwinterung.

Winterharte Pflanzen findet man vor allem unter den heimischen Sorten. Sie haben bestimmte Strategien entwickelt, mit denen sie Minusgrade überstehen. Pflanzen, die ursprünglich aus wärmeren Regionen stammen, fehlt dieser natürliche Frostschutz. Kälte und Nässe stören den Stoffwechsel beziehungsweise den Kreislauf zwischen Wurzeln und Blättern. Damit Sie auch diese Pflanzen sicher überwintern, ist es wichtig, die Ansprüche der Pflanze zu kennen.

Schutzmassnahmen, die frostempfindlichen Pflanzen beim Überwintern helfen, lassen sich in drei Kategorien unterteilen:

  • Schutz für Gartenpflanzen
  • Schutz für Balkonpflanzen
  • Schutz im Winterquartier

 

Pflanzen im Garten überwintern

Einige bedingt winterharte Pflanzen können in unseren Breiten durchaus ausgepflanzt werden. Dazu gehören je nach Sorte einige Olivenbäumchen, aber auch Feigenbaum, Zypresse und Hanfpalme. Vor zu grosser Kälte oder ausgeprägter Nässe sollten sie aber mithilfe folgender Massnahmen geschützt werden.

Standortwahl

Schon bei der Standortwahl empfiehlt es sich, die Überwinterung im Hinterkopf zu haben. Standorte an Haus- oder Garagenwand sowie neben dichten Hecken und Büschen können bereits einen leichten Schutz gewährleisten.

Abdecken

Indem Sie Pflanzen abdecken, können Sie diese gegen Frost schützen. Als Winterschutz eignen sich zum Beispiel Vlies, Jute, spezielle Schutzhauben und natürliche Materialien wie Rindenmulch oder Reisig. Wichtig: Die Materialien sollten luft- und feuchtigkeitsdurchlässig sein, damit sich darunter keine Staunässe bildet, die die Entstehung von Schimmel und Schädlingsbefall begünstigt. Wie man das Gewächs am besten abdeckt, hängt von der jeweiligen Pflanze ab.

Die Rinde junger Zier- und Obstbäume ist beispielsweise anfällig für Frostrisse. Um diese zu verhindern, kann der Stamm mit Jutestreifen oder einer Rohrmatte umwickelt werden. Besitzen Sie einen Steingarten mit frostempfindlichen Stauden, lässt sich der in den alpinen Herkunftsregionen durch eine dicke Schneeschicht gegebene Frostschutz mit einem Kunststoffvlies nachahmen. Einzelne Pflanzen lassen sich mit natürlichen Abdeckmaterialien für den Boden vor Kälte und Nässe schützen. Bei Rosen muss vor allem die empfindliche Veredelungsstelle an der Triebbasis geschützt werden. Dazu eignet sich eine Mulchschicht oder angehäufelte Erde. Die Veredelungsstelle von Hochrosen liegt unterhalb der Krone. Einen effektiven Schutz erreichen Sie, wenn Sie die gesamte Krone mit einer Vlieshaube bedecken. Der Wurzelbereich immergrüner Sträucher sollte ebenfalls mit einer dicken und grossflächigen Schicht Mulch abgedeckt werden.

Überwinterungszelt

Spezielle Überwinterungszelte für Pflanzen bieten einen guten Schutz. Sie werden direkt über der Pflanze aufgestellt und bestehen aus einem stabilen Rohrgestänge und einer Gitternetzfolie. Per Reissverschluss lässt sich bei Bedarf ein Boden an den Seitenwänden befestigen. Dadurch eignen sich die Zelte auch zur Überwinterung von Kübelpflanzen auf dem Balkon und der Terrasse. Um ausreichend Stabilität zu gewährleisten, werden sie mit Haken im Boden verankert. Möchten Sie Pflanzen draussen überwintern, bietet ein Zelt einige Vorteile:

  • Da die Folie lichtdurchlässig ist, wird die Pflanze ausreichend mit Licht versorgt.
  • Die Lichtverhältnisse ändern sich nicht plötzlich, was Stress reduziert.
  • Zelte bieten guten Schutz vor Regen, Wind und Schnee.
  • Der Auf- und Abbau gelingt vergleichsweise schnell und ist ohne Werkzeug möglich.
  • Überwinterungszelte lassen sich wiederverwenden.

Ohne weiteres Zubehör ist ein Überwinterungszelt für alle Pflanzen optimal, die bedingt frostempfindlich sind. Sollen frostempfindliche Pflanzen darin überwintern, sollte das Zelt mit einem sogenannten Frostwächter ausgestattet werden. Dabei handelt es sich um eine Heizung, die eine zu starke Temperaturabsenkung verhindert.

Kübelpflanzen auf Balkon und Terrasse überwintern

Selbst eigentlich winterharte Gartenpflanzen brauchen einen Winterschutz, wenn sie im Kübel stehen. Das liegt daran, dass das Wurzelwerk durch das Pflanzgefäss nicht so stark geschützt wird wie durch das Erdreich. Frost kann vergleichsweise leicht eindringen. Deshalb sollten auch robuste Pflanzen wie Buxus und Ahorn auf das Überwintern im Freien vorbereitet werden. Wie andere Terrassen- und Balkonpflanzen sollten sie auf eine Styroporplatte gestellt werden, um sie vor Bodenkälte zu schützen. Um insbesondere das Wurzelwerk zu schützen, empfiehlt es sich, den Kübel zusätzlich mit dämmenden Materialien zu umwickeln. Empfindliche Pflanzenteile lassen sich damit ebenso abdecken wie Gartenpflanzen. Ebenfalls wichtig: Platzieren Sie Pflanzen zum Einwintern so dicht wie möglich an der Hauswand. So sind sie besser vor Regen und Schnee geschützt und profitieren gleichzeitig von der Wärmeabgabe des Mauerwerks.

Pflanzen im Winterquartier

Einige Pflanzen sind den hiesigen Temperaturen im Winter nicht gewachsen. Dazu gehören vor allem mediterrane, subtropische und tropische Pflanzen. Sie benötigen in jedem Fall ein trockenes und frostfreies Winterquartier. Die meisten mediterranen Pflanzen lassen sich gut bei Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad einwintern. Tropische und subtropische Pflanzen benötigen beim Überwintern höhere Temperaturen. In ihrem Winterquartier sollten es mindestens 15 Grad sein. Es darf aber auch nicht zu warm sein, da die Pflanzen sonst nicht in die „Winterruhe“ übergehen und mehr Licht benötigen. Die Temperatur des Winterquartiers sollte man deshalb regelmässig mit einem Thermometer kontrollieren.

Temperatur- und Lichtbedarf stehen miteinander in Zusammenhang. Ist es zu dunkel, kann es zum Blattwurf kommen. Die Pflanzen verlieren ihre Blätter und tragen im nächsten Jahr weniger Blüten. Um das zu verhindern, können Sie die Pflanzen zum Überwintern mit LED-Licht bestrahlen. Sogenannte Pflanzenlampen können als zusätzliche Lichtquelle eingesetzt werden oder das fehlende Tageslicht in dunklen Winterquartieren komplett ersetzen. Ist Letzteres der Fall, sollte die Lampe etwa acht Stunden am Tag brennen. Ergänzt sie das Tageslicht, kann die Brenndauer verkürzt werden. Als Orientierung für die Lichtintensität können Sie den Luxwert heranziehen. Er lässt sich mit einem Luxmeter bestimmen. Dabei gilt:

  • Überwinterung bei 5 bis 10 Grad Celsius: 1’500 Lux
  • Überwinterung bei 15 Grad Celsius: 3’000 Lux

Natürlich besitzt nicht jeder ausreichend Platz, um die Pflanzen in der Wohnung überwintern zu lassen. Gewächshaus, Garage oder Gartenhäuschen stellen aber eine gute Alternative dar. Garage und Gartenhaus sollten jedoch entsprechend der Pflanzenbedürfnisse mit einem Frostwächter und einer Pflanzenlampe ausgestattet werden. Sollen Pflanzen im Gartengewächshaus überwintern, ist zwischen zwei Varianten zu unterscheiden:

  • Kaltgewächshaus: Temperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius
  • Warmgewächshaus: Temperaturen zwischen 11 und 15 Grad Celsius

Kaltgewächshäuser eignen sich zur Überwinterung von Pflanzen, die auch etwas kältere Temperaturen vertragen. Dazu gehören unter anderem Oleander, Fuchsien, Feige und Petunien. Für Zitruspflanzen und exotische Pflanzen sind sie zum Überwintern jedoch zu kalt. Orangen und Agaven beispielsweise überleben nur in einem Warmgewächshaus. Möchten Sie ein Kaltgewächshaus aufrüsten, ist das wie beim Überwinterungszelt mit einem Frostwächter möglich. Besitzt dieser keine automatische Abschaltfunktion, empfiehlt es sich, ein Thermostat zwischenzuschalten. Es misst die Umgebungstemperatur und schaltet die Heizung beim Erreichen der Zieltemperatur ab. So können Sie Energie sparen.

Wenn Sie Ihre Pflanzen zum Überwintern im Gewächshaus lagern, sollten Sie darauf achten, regelmässig zu lüften. Das ist besonders an milden Tagen wichtig, damit die Wärme abfliessen kann. Anderenfalls verlieren die Pflanzen ihre Winterhärte und reagieren umso empfindlicher, wenn es zu erneuten Kälteeinbrüchen kommt. Stellen Sie die Pflanzen zudem in einigem Abstand voneinander auf. Stehen sie zu eng, können sich Schädlinge schnell verbreiten. Am besten kontrollieren Sie die Blätter regelmässig auf Blattläuse und Spinnmilben.

Möchten Sie Pflanzen im Gewächshaus einwintern, können Sie schon vor dem Bau die Überwinterungsbedingungen positiv beeinflussen: Legen Sie ein tiefreichendes Fundament und verwenden Sie eine starke Eindeckung zum Schutz vor Frost. Als zusätzliche Dämmschicht können Sie im Winter auch eine Luftpolsterfolie von innen an den Dachflächen und Wänden des Gewächshauses befestigen.

Übrigens: Auch einige der ansonsten als sehr widerstandsfähig geltenden Knollenpflanzen sind nicht winterhart. Dahlien müssen beispielsweise vor dem ersten Frost ausgegraben und in einem kalten, aber frostfreien, dunklen Raum gelagert werden. Nicht beheizte und fensterlose Kellerräume sind dafür ideal.

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